Gedanken zum Feiertag

von Anja Kohlgraf

Eins vorab: Ich möchte keinen Mimimi-Beitrag schreiben, Mitleid erhaschen oder mich beschweren. Es sind einfach Gedanken, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen, die ich gerne mit Euch teilen möchte und wo mich Eure Sicht auf die Dinge interessiert. Und mit einem Feiertag unter der Woche hatte ich einfach noch mehr Zeit zum Grübeln und muss mir das einfach mal von der Seele schreiben. Ich arbeite dienstags nicht – also hatte ich gleich zwei Tage frei und ganz viel Zeit für mich. Zeit für mich und meine Gedanken – quasi meine Gedanken zum Feiertag. Oder ich schiebe mein Gedankenchaos auf den Herbst, in dem die Tage immer länger dunkel sind und an den ich mich noch gewöhnen muss.

Ich bin nun wirklich niemand, der ständig auf Reichweiten, Follower, Abonnenten, Herzchen etc. schaut. Ich nutze auch keine Apps dafür. Spätestens zum Ende eines Quartals, wenn ich mein Mediakit auf den neuesten Stand bringe, begegnen mir diese Zahlen zwangsläufig wieder. Seit geraumer Zeit fällt mir auf, dass sich (von Pinterest einmal abgesehen) an den Zahlen nicht viel bis gar nichts zum Positiven hin tut. Im Gegenteil. Bei Facebook und ganz besonders bei Instagram gehen sie sogar stark zurück.

Ich versuche, mich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Denn eine gewisse Gelassenheit mit meinem Blog habe ich nach fast 6 Jahren doch schon bekommen. Aufhalten kann ich letztlich niemanden, der mir nicht mehr folgen möchte. Und das will ich auch gar nicht. Ich würde es einfach nur verstehen oder zumindest nachvollziehen können. Zwangsläufig sucht man die Ursache natürlich erst bei sich selbst.

Gedanken zum Feiertag

Liegt es an mir oder der Auswahl meiner Beiträge? Bin ich nicht gut genug?

Mein Schwerpunkt war schon immer Backen und ist es auch weiterhin. Daran alleine kann es eigentlich nicht liegen. Ich glaube auch nicht, dass ich meine Art zu schreiben geändert habe oder die Art meiner Bilder. Die finde ich eigentlich viel besser als in meiner Anfangszeit. Ich renne nicht jedem Trend hinterher, sondern backe das, was bei uns auch wirklich auf den Tisch kommt. Ich backe nicht in erster Linie für den Blog  – ich backe für meinen Mann, meinen Sohn, Freunde und Kollegen.

Vielleicht bin ich nicht professionell genug, denn ich habe noch nicht mit der Weihnachtsbäckerei angefangen, nur um immer genug Beiträge in der Hinterhand zu haben. Mit solchen Themen bin ich in der Regel spontan in der Zeit, in der es bei uns auch gegessen wird. Immerhin schreibe ich kein Buch, dass wochenlang vorher fertig sein muss, damit es rechtzeitig erscheint. Ich blogge ja „nur“ – wenn auch mit ganz viel Herz und Leidenschaft.

Ich möchte niemanden beeinflussen – ich möchte kein Influencer sein. Das hört sich für mich an wie eine neue Form der Grippe. Ich möchte einfach meine Rezepte mit Euch teilen und mit dem, was ich tue, Spaß haben und mir einen Ausgleich schaffen. Deshalb wähle ich auch die Events ganz genau aus, auf denen ich mich blicken lasse und nehme nicht blind jede Kooperation an, die mir ins Haus flattert. Ich versuche eben, einfach authentisch zu bleiben. Einfach Anja. Einfach ICH.

Jetzt finde ich meine Zahl von Abonnenten oder Followern nicht gerade klein. Trotzdem kommt im Verhältnis sehr wenig davon bei mir an. Die Interaktion wird immer weniger. Noch vor 1 1/2 Jahren erreichte ein Bild von mir bei Instagram 1.500 Herzen – heute bin ich froh, wenn es über 200 werden. Was ich im Vergleich zu über 6.000 Abonnenten echt nicht viel finde. Ich habe versucht, Geister-Follower raus zu filtern und zu blockieren. Doch wie genau soll ich das entscheiden bzw. diese erkennen? Vielleicht hat jemand einfach nur wenig Zeit für Interaktion und liest still bei mir mit. Im günstigsten Fall, weil es ihn wirklich interessiert.

Instagram macht es den Bloggern echt nicht leicht mit dem undurchschaubaren Algorithmus und den anderen Hürden. Ich würde es Euch gerne erleichtern, direkt zu meinen Beiträgen zu gelangen, sodass Ihr in den Stories nach oben wischen könntet. Das ermöglicht Instagram aber erst ab 10.000 Abonennten und davon bin ich noch weit entfernt. Und warum soll jemand, der – aus welchen Gründen auch immer – längere Zeit bei mir nicht mehr kommentiert oder ein Herz da gelassen hat, meine Beiträge nicht mehr sehen können? Das ist doch … ich finde kein Wort dafür. Vielleicht unfair? Oder doof? Irgendwas in der Art eben. Von der Werbekennzeichnungspflicht mag ich hier gar nicht erst anfangen – das regt mich nur unnötig auf.

Ich versuche selbst zu kommentieren, zu liken, Herzen zu vergeben. Denn manchmal ist das der einzige „Lohn“, den ein Blogger für seine Arbeit bekommt. Diese Arbeit möchte ich anerkennen. Wobei das kein reines Instagram-Phänomen ist. Generell wird auch auf dem Blog und bei Facebook weniger kommentiert oder ein Daumen da gelassen. Die Zeit ist halt einfach generell schnelllebiger geworden als noch vor ein paar Jahren. Die Vielzahl an Back-Blogs macht es nicht einfacher, dass man in der Menge gesehen wird.

Gedanken zum Feiertag

Man muss auch gönnen können.

Mir fällt immer häufiger unangenehm auf, wie rau die Welt geworden ist. Überall begegnet uns Neid und Missgunst. Ich versuche, mich vom Neid frei zu machen. Denn alleine das Wort klingt schon so negativ. Das gelingt mir nicht immer. Wenn ich mich beim neidisch sein ertappe, dann auf die Art „Uih, das würde ich auch gerne können/haben/erleben“ – dennoch kann ich es dem Anderen uneingeschränkt und von Herzen gönnen! Und das macht mir das Wort „Neid“ gleich weniger egoistisch. Wenn ich nicht mehr gönnen könnte, dann würde ich wohl besser aufhören, mich im Internet zu tummeln.

Ein zweiter Punkt ist für mich das Hervorstechen durch Belehrungen! Das kann ich gar nicht leiden. Jeder sollte so leben, wie er möchte. Kapsel-Maschine? Warum nicht? Veganer? Ja bitte gerne. Nur muss das, was auf andere zutrifft, ja nicht auch auf mich zutreffen. Ich esse gerne Fleisch, wenn auch bei weitem nicht täglich. Ich nutze eine Kaffeemaschine mit Pads, weil ich mich dazu entschieden habe, mir der Kaffee schmeckt und weil ich die einzige Kaffeetrinkerin in der Familie bin. Ich möchte nicht meinen Sohn im Internet präsentieren oder meine ganze Einrichtung. Wenn andere das tun, müssen sie das selbst entscheiden.

Mir ist meine Privatsphäre enorm wichtig. Warum muss man mich bei Instagram auf meine „Unzulänglichkeiten“ dann dreist stoßen? Wobei ganz deutlich der Ton die Musik macht. Mit höflich oder nett formulierter Kritik kann ich sehr gut umgehen. Bitte lasst jeden Menschen so leben, wie er es möchte und für richtig hält. Ich finde bei weitem nicht alles in Social Media toll. Aber ich behalte meine Meinung für mich oder – wenn ich mal nicht an mich halten kann – schreibe ich es nicht vorwurfsvoll und mit erhobenem Zeigefinger (oder ich versuche es zumindest). Genau das erhoffe ich mir umgekehrt eigentlich auch. Vielleicht bin ich einfach zu gutmütig.

Eine gewisse Freundin wird spätestens jetzt grinsend vor ihrem PC oder Smartphone sitzen, wenn sie das liest und sich denken „Das habe ich Dir doch immer gesagt!“. Ja vielleicht. Aber ich bin einfach so. Und mit über 48 werde ich mich wohl nicht mehr ändern. Ich helfe gerne. Punkt. Ich ziehe aus manchen Ereignissen meine eigenen Schlüsse und dann ist es gut. Ich möchte über negative Situationen gar nicht zu viel nachdenken oder sie laut in die Welt hinaus posaunen.

Mein Blog ist mein Baby und soll auch der Schwerpunkt bei mir bleiben! In ihn stecke ich das meiste Herzblut. Ohne ihn würde mir was fehlen – wo hingegen ich auf Social Media durchaus verzichten könnte und sogar momentan überlege, zumindest einen Kanal – Facebook – auf Eis zu legen, der zudem rechtlich immer unsicherer wird. Es kommen nicht viele von Facebook hier auf den Blog. Aber vielleicht ist es den wenigen, die es tun, ja umso wichtiger? Also teile ich dort meine Beiträge, beantworte Fragen und Kommentare und sonst nicht viel.

Auch werde ich jetzt nicht versuchen, ständig auf Instagram etwas zu posten. Das schaffe ich schon zeitlich nicht. Die Stories werden nicht viel mehr Privates von mir zeigen. Auch wenn diese nach 24 Stunden gelöscht werden, haben sie mir schon mehr Ärger eingebracht, als ich je dachte. Das kann ich wirklich nicht öfter gebrauchen.

Gedanken zum Feiertag

Was ich von Euch gerne wissen möchte:

  • Was gefällt Euch in Meine Torteria und was nicht?
  • Was würdet Ihr Euch wünschen?
  • Was vermisst Ihr und auf was würdet Ihr gerne verzichten?

Bitte schreibt mir ganz offen in die Kommentare Eure Gedanken, Anregungen und Vorschläge. Denn auch wenn es „mein“ Blog ist, sollt Ihr ja auch etwas davon haben. Wenn ich es umsetzen kann, ohne mich selbst aus den Augen zu verlieren oder vollständig zu verbiegen, warum dann nicht? Vielleicht gehe ich einfach zu sehr mit Scheuklappen durch das Internet und sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr… Wenn Ihr nicht kommentieren möchtet, könnt Ihr mir auch sehr gerne eine Mail schreiben (die Adresse findet Ihr in der Sidebar).

Jetzt habe ich Euch lange genug an den Bildschirm gebunden – es ist schließlich Feiertag und den soll man genießen! Ich werde jetzt ganz gemütlich bei einem Kaffee mit der Katze auf dem Sofa kuscheln.

In diesem Sinne: „Cake it easy“, Eure

 

 

 

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8 Kommentare

Lindenthalerin 3. Oktober 2018 - 15:28

Liebe Anja, ein super Artikel. Du sprichst mir aus der Seele. Ich finde du machst alles richtig und wir haben eine sehr ähnliche Intention. Das Phänomen der reduzierten likes und Interaktionen betrifft die anderen auch, nicht nur dich. Mach einfach weiter wie bisher, sei du selbst und schreibe für dich und deine Fans egal ob 1000 oder 100.000. 💕👩🏼‍🍳

Antworten
Anja Kohlgraf 3. Oktober 2018 - 20:22

Ich würde auch für einen einzigen Leser noch schreiben! Bussi.

Antworten
Antje 3. Oktober 2018 - 20:18

Liebe Anja,

ich mag deinen Blog und lese regelmäßig. Instagram macht einem das Leben schwer und ich durchschaue nicht nach welchen Regeln mir Feeds angezeigt werden oder nicht. Es ist der reine Horror. Daher würde ich das nicht überbewerten, auch wenn ich deine Gedanken verstehen kann. Mach bitte weiter,
liebe Grüße
Antje

Antworten
Anja Kohlgraf 3. Oktober 2018 - 20:23

Danke! Aber irgendwie macht mir Instagram immer noch Spaß. Vielleicht weil ich selber da gerne bei anderen lese?

Antworten
Tanja 4. Oktober 2018 - 9:54

Hallo Anja,

ich finde, daß Dein Blog genau richtig ist, so wie er ist, denn er ist Dein Blog, mit Deinen Rezepten, Deinen Gedanken und in Deinem Stil. Dieses ganze Optimieren geht mir persönlich total auf den Keks, weil zuviel Persönlichkeit auf der Strecke bleibt. Individuelle Blogs mit Ecken und Kanten, bei denen ich die Persönlichkeit des Autors förmlich spüren kann, sind mir viel lieber als auf Hochglanz polierter Einheitsbrei, der auf hohe Klickzahlen aus ist. Schreib, als wäre es Deine digitale Küchekladde, für Dich, um immer wieder darin zu stöbern und freu Dich über jeden, der ebenfalls Interesse daran hat. Für sich selbst so etwas Tolles zu schaffe, macht mich schon rundum zufrieden und das wünsche ich mir für Dich auch.
Ich weiß, daß Du eigentlich eine Antwort auf Deine Fragen erwartet hast, aber das mußte jetzt mal raus…

Bleib wie Du bist und schreibe auch den Blog so weiter, wie er ist – denn das ist genau richtig! <3

Ganz liebe Grüße von rheinabwärts… Tanja

Antworten
Anja Kohlgraf 6. Oktober 2018 - 13:05

Danke liebe Tanja und ein schönes Wochenende von rheinaufwärts!

Antworten
Denise 8. Oktober 2018 - 16:14

Liebe Anja,

ein sehr guter Text. Ich stehe zu 100 Prozent hinter deinen Worten, denn mir geht es in vielerlei Hinsicht mit meinem Blog ebenso.
Mit Facebook stehe ich mittlerweile auch ein bisschen auf Kriegsfuß. Die Follower verschwinden auch bei mir im Nirwana.
Das mit dem Neid ist gerade bei den Cake-Designern sehr ausgeprägt und macht mich sehr traurig.

Deine Homepage liebe ich so wie sie ist. Du machst das genau richtig.
Daher unbedingt so weiter machen. Deine treuen Leser wissen Deine Arbeit zu schätzen.

Liebe Grüße aus Mannheim
Denise

Antworten
Anja Kohlgraf 8. Oktober 2018 - 17:34

Ich freue mich auf „unser“ Wochenende! Dann haben wir Zeit zum Quatschen.

Antworten